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Presseartikel
Bild (THD): Prof. Dr. Patrick Ristau, Teil des Organisationsteams, freut sich über das große Interesse an der Trinationalen Konferenz und die positive Resonanz.

Gesundheitsversorgung auf dem Land

Trinationale Konferenz bringt Fachleute aus Bayern, der Tschechischen Republik und Österreich an der THD zusammen
5.11.2026 | THD-Pressestelle

Wie kann die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum gesichert werden, wenn medizinisches Fachpersonal fehlt und die Wege weit sind? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Trinationalen Konferenz Gesundheitswesen 2026, zu der sich am 29. Oktober rund 100 Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) einfanden. Unter dem Motto „Gesundheit nachhaltig gestalten – Perspektiven aus der Europaregion Donau-Moldau“ wurden auf Deutsch, Tschechisch und Englisch weitere Herausforderungen sowie mögliche Lösungen diskutiert.

„Wir können nur voneinander lernen, gerade im kulturell verbundenen Dreiländereck, zum Wohle unser aller Gesundheit“, fasst THD-Präsident Prof. Wademar Berg das Programm der Konferenz zusammen. In einer Keynote stellt Prof. Dr. Sabine Dittrich, Professorin für Global Public Health an der Fakultät European Campus Rottal-Inn fest: Gesundheit ist nicht nur ein Ergebnis von regionalen, sondern auch von globalen Einflüssen. Sowohl der weltweite Klimawandel als auch die Verbreitung von Viren stellen das Gesundheitssystem immer wieder vor neue Herausforderungen. „Dabei werden wir auch in Zukunft mit dem demografischen Wandel und den damit einhergehenden primären Todesursachen einen deutlichen Handlungsbedarf in der ländlichen Gesundheitsversorgung erleben“, so Dittrich.

Aus der anschließenden Podiumsdiskussion können drei Ansätze festgehalten werden, von denen Patientinnen und Patienten sowie Angehörige in der Grenzregion konkret profitieren sollen.

1.    Wohnortnah heißt vernetzt

Bei der Frage, welche Angebote unbedingt vor Ort verfügbar sein müssen und für welche Leistungen längere Wege vertretbar sind, stellte Dr. Thomas Peinbauer von der Johannes Kepler Universität Linz das Konzept der Primärversorgungszentren aus Österreich am Beispiel des „Gesundheitszentrum Haslach – Hausarztmedizin Plus“ vor: ein Ansatz, bei dem interprofessionelle Zusammenarbeit und flache Hierarchien gelebt werden. Wie das im Bayerischen Wald aussehen kann, zeigt das Hausärztenetz „Gut versorgt im Arberland“ (GUAD). Für ältere, chronisch kranke oder wenig mobile Menschen bedeutet eine solche Vernetzung: kurze Wege, abgestimmte Behandlung und weniger Doppeluntersuchungen.

2.  Digital ergänzen, nicht ersetzen

Digitale Angebote können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, aber die Wege zur Therapie verkürzen. Ein Beispiel aus der THD ist das Projekt STEPP (Strukturierte teletherapeutische Ergo- und Physiotherapie bei Parkinson), gefördert von der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen. Betroffene erhalten dabei zusätzlich zu ihrer regulären Behandlung zehn kurze Therapieeinheiten per Video. „Gerade im ländlichen Raum ist der Weg zur Praxis für Menschen mit Parkinson oft eine Hürde“, erklärt Dr. Norbert Lichtenauer, Projektleiter von STEPP am THD-Campus Bad Kötzting. „Mit STEPP holen wir leitlinienbasierte Ergo- und Physiotherapie ins Wohnzimmer, ohne die Behandlung vor Ort zu ersetzen.“

Auch in der Pflege setzt die Region auf Digitalisierung. So entwickelten etwa Beteiligte aus insgesamt acht Ländern im Interreg-Projekt DigiCare4CE eine Strategie zur Einführung digitaler Lösungen in Pflegeeinrichtungen, die auch Menschen mit wenig digitaler Erfahrung berücksichtigt.

3.   Gemeinsam ausbilden, gemeinsam versorgen

Der Fachkräftemangel trifft Bayern, die Tschechische Republik und Österreich gleichermaßen. Mehrere Projekte setzen deshalb bei der Ausbildung an: Das Programm CrossHealth entwickelt länderübergreifende Fortbildungen für Gesundheitsfachkräfte in der bayerisch-tschechischen Grenzregion. Mit dem „Deggendorfer Modell“ bildet die THD internationale Studierende nach deutschem Berufsrecht zu Pflegefachpersonen aus.

Wie Zusammenarbeit über Grenzen hinweg konkret Leben retten kann, zeigt der grenzüberschreitende Rettungsdienst zwischen Niederösterreich und Tschechien: Dort darf das jeweils nächstgelegene Rettungsteam auch jenseits der Grenze ausrücken. „Die neue Versorgung hat sich mittlerweile etabliert und stützt die Notfallmedizin da, wo sie besonders sensibel ist, nämlich im ländlichen Raum“, so Monika Kyselová von der Initiative Healthacross der Niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur.

Großes wissenschaftliches Symposium mit Posterpreis

Neben den Vorträgen und der Podiumsdiskussion waren zudem vierzehn Forschungsposter ausgestellt, von denen zwei ausgezeichnet wurden: Franziska Killinger untersucht mit „ScanGlobal“, ob frei verfügbare KI-Software zur Auswertung von MRT-Aufnahmen die Diagnosen tatsächlich verbessert und ob Kliniken für ihren Einsatz gerüstet sind. Kathrin Auer hat Gesundheitseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefragt, wie ungenutzte medizinische Materialien weitergegeben statt entsorgt werden können, um Ressourcen und Budgets zu schonen.

„Interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit“ wird das Motto für 2027

Das positive Resümee zur Veranstaltung und Aktualität der Themen wird zu einer weiteren Konferenz führen: „Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen im Gesundheitswesen bewältigen. Daher freuen mein Team und ich uns auch schon jetzt auf die Konferenz im Herbst 2027, dann unter dem Motto ‚Gesundheit interprofessionell neu denken‘“, so Prof. Dr. Patrick Ristau, Professor für Angewandte Gesundheitswissenschaften an der THD.

Die Zusammenfassungen der Beiträge lassen sich im Abstract-Band, erschienen in der HeilberufeScience, nachlesen.