Duale Ausbildung als Alternative für Internationals
Nachdem das Projekt ReStart EDU2WORK Ende 2025 angelaufen ist, wurde am 13. August an der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) der Letter of Intent unterzeichnet, in dem der gemeinsame Betrieb eines Beratungsbüros der Projektpartner schriftlich festgehalten wurde. Stellvertretend für die Institutionen unterschrieben Prof. Dr. Martina Heigl-Murauer, Vizepräsidentin Internationalisierung & Integration der THD, Peter Weindl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Deggendorf, sowie stellvertretender Landrat Roman Fischer. Ziel der Zusammenarbeit ist, internationalen Studierenden, die Probleme mit dem Hochschulstudium haben, alternative Karriereperspektiven in Deutschland näherzubringen – insbesondere die duale Ausbildung.
Rund 50 Prozent der Studierenden der Hochschule kommen aus dem Ausland nach Deggendorf, Cham und Pfarrkirchen, um einem Studium nachzugehen. Sprachbarrieren und ein neues kulturelles Umfeld können zusätzlich zu den typischen Herausforderungen eines Hochschulstudiums jedoch dazu führen, dass Internationals Probleme mit dem erfolgreichen Abschluss haben oder sogar in Erwägung ziehen, das Studium ohne Abschluss vorzeitig zu beenden. Hier möchte das Projekt ReStart EDU2WORK ansetzen: Internationalen Studierenden sollen frühzeitig Alternativen im deutschen Bildungs- und Arbeitswesen aufgezeigt werden, damit diese erfolgreich in der Region integriert werden können – auch ohne Bachelor- oder Masterabschluss.
Duale Ausbildung als gleichwertige Chance
Peter Weindl sieht dabei eine besondere Chance in den dualen Ausbildungen. „Im Agenturbezirk Deggendorf stehen über 3.000 gemeldete Ausbildungsstellen zur Verfügung“, erklärt er. „Viele Ausbilder würden sich daher über Bewerberinnen und Bewerber mit passenden Qualifikationen und hoher Motivation freuen.“ Die erforderlichen Qualifikationen seien bei Internationals, die an der THD studieren, meist gegeben. Damit auch die Motivation für eine Ausbildung steigt, haben die Hochschule, die Agentur für Arbeit und das Landratsamt Deggendorf ein gemeinsames Beratungsbüro am Campus eingerichtet.
Die Beratungstermine finden während der Vorlesungszeit regelmäßig statt und sind sehr gefragt. Die Projektpartner sehen sie als ersten wichtigen Schritt ihrer Zusammenarbeit. Vielen Studierenden sei gar nicht bewusst, was eine duale Ausbildung ist, erklärt Heigl-Murauer. In ihren Heimatländern gäbe es diesen Bildungsweg oft nicht. Dementsprechend wichtig ist es, Internationals, die Probleme mit ihrem Studium haben, frühzeitig zu beraten. So können sie über Alternativen aufgeklärt werden, sich nach einer passenden Stelle umsehen und sich um den Wechsel ihres Visums kümmern. Dank des gemeinsam geführten Beratungsbüros können diese Schritte direkt am Campus vollzogen werden. Diese kurzen Wege seien wichtig, betont Heigl-Murauer. Vielen Internationals falle es leichter, sich in den bekannten Gebäuden der Hochschule beraten zu lassen, als von einer Behörde in die nächste gehen zu müssen.
Den Wechsel vom Studium in die Ausbildung sieht auch der stellvertretende Landrat als etwas Positives. „Sowohl die Region als auch die internationalen Studierenden profitieren von dem Projekt“, betont Fischer. „Wir brauchen die jungen Leute, die nach Deutschland kommen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Und die Studierenden erhalten bessere Unterstützung bei der Integration, auch wenn es mit dem Studium erstmal nicht klappt.“ Um allen Internationals der THD eine umfangreiche Beratung anbieten zu können, wurden daher auch an den Standorten Cham und Pfarrkirchen gemeinsame Büros eingerichtet, die von den dort zuständigen Ämtern besetzt werden.
Für die Zukunft wünschen sich die Projektpartner Fallbeispiele von ehemaligen Studierenden, die den Schritt in die duale Berufsausbildung gewagt haben. Das würde anderen helfen, sich mehr mit möglichen Alternativen zum Studium auseinanderzusetzen. Noch stehe das Projekt daher ziemlich am Anfang – einem guten Anfang, wie Heigl-Murauer verkündet.